Wie der Baumarkt in den Film kam!
2. April 2007
SFX ist für jeden Bastler eine Herausforderung.
Bild 77 klingt ganz lustig im Drehbuchuch, weil sich die Situation so positiv auflöst und die bösen Metaller mit einem Trick in die Flucht geschlagen werden. Rudolph hat mal wieder einen klugen Plan und simuliert einen Selbstmord mit Pistole und Blut.
Es knallt, es spritzt was Rotes an die Wand, er sinkt zusammen und als die harten Jungs erschrocken die Flucht ergriffen haben, schlägt er die Augen wieder auf und lacht über den Erfolg.
Gute Idee, spektakuläre Idee, aber wie macht man das?

Michael John ist eigentlich für Ton zuständig. Bei diesem Dreh hat eine Premiere als SFX Mann. Denn: Auf die Frage, wie man das denn mit dem Blut an der Wand machen könnte, blüht das Bastlerherz auf.
„Also das Wichtigste ist der Druckaufbau und dann muss die Konsistenz stimmen von dem Zeug, das da rausspritzt.“
Seine Idee ist eine Abflussreinigungspistole(!) aus dem Baumarkt, damit kann man Luftdruck erzeugen und ihn schlagartig freigeben.
Michael war mal bei einem Dreh für eine Hydraulikfirma dabei, das hilft! Da haben sie einen Crashtest durch Beschleunigen gemacht.
Also hier ist erst mal ein Liter Luft nötig. Ein Überdruckventil sorgt dafür, das die Pumpe nicht platzen kann und die Flüssigkeit muss natürlich mit einem Schlauch in Kopfhöhe gedrückt werden.

Erst haben sie es mit Apfelmus probiert, mit passierten Tomaten und Buttermilch, das müsste die richtige Konsistenz haben, flüssig aber nicht zu dünn, dabei etwas klumpig. Der erste Versuch wird der Regie vorgeführt. Der rote Punkt an der Wand ist zu klein!
Nächster Versuch mit einem Kupferwinkel, wieder aus dem Baumarkt und einem dickeren Schlauch. Mit Heißluft wird der Schlauch auf das Kupferstück gestopft.
Der Schlauch durchs Hemd geführt und oben am Körper fixiert – mit Lassoband kein Problem.
Batsch!

Nach einer kurzen Versuchserweiterung mit Hilfe eines Schlachters ist es am Ende dann doch Filmblut mit Wattebäuschchen, Gelatine und Bananen geworden.
„Ja, ich war schon aufgeregt, ob’s denn nun wirklich klappt. Der Schlauch war fest, im Kragen ein Loch, damit er an die richtige Stelle kommt und dann los!“
Noch einmal ‚Batsch’. Das kann man nicht so oft machen, weil das Saubermachen immer sehr lange dauert!
„Und bitte!“
Das Ergebnis wird kritisch begutachtet und - für gut befunden. So kam endgültig der Baumarkt in den Film!

Als Belohnung bekommt Michael am nächsten Tag die Haare geschnitten. Umsatteln kommt trotzdem nicht in Frage und dann hat er noch ein Lob für Fabian Busch als Rudolph: „Hat er klasse gespielt mit dieser Sekunde Verzögerung, das wird eine ganz starke Szene.“
Klar, werden wir dann sehen.

