Die Kapitänin
5. März 2007
Regie heißt, drei Monate Hochspannung und keine Sekunde Zeit für irgendetwas anderes.
„Komm mir nicht so, ich habe große Brüder, willst Du sie kennen lernen? Besser nicht für Dich, die machen Döner aus Dir!“ Das Ganze vorgetragen mit einem türkischen Akzent und natürlich mit einem Lächeln. „Pass auf Du, ich weiß, wo dein Haus wohnt!“
Selbstironie ist nur eine der Stärken der jungen Regisseurin und mit Minderheitenproblemen kennt sie sich bestens aus. Schon mal zwei gute Voraussetzungen für die Arbeit an diesem Projekt.
Buket Alakus macht die Regie im Finnischen Tango, sie brennt dafür, seit sie das Buch gelesen hat. Sie hat bisher als Regisseurin Kino gemacht, Fernsehen auch und dies soll ein Höhepunkt in ihrer Vita werden, sie ist auf dem Sprung, eine Große zu werden.
Buket sprudelt vor Ideen, nimmt trotzdem blitzschnell andere Gedanken auf und sie ist nahezu immer gut drauf. Eine Mitreißerin für das Team, hier ein Spaß, da ein Entscheidung und gleichzeitig immer wissen, wie es am schnellsten weiter geht.

Es war ihr egal, dass der Finnische Tango eine Low Budget Produktion ist, die am Ende natürlich aussehen soll, als ob viel mehr Geld zur Verfügung gestanden hätte. „Mit viel Geld kann doch jeder drehen, wir müssen mit Ideen überzeugen!“
Ist die Arbeit mit den „behinderten“ - besonderen Schauspielern ein Risiko? „Weiß ich nicht, hab ich noch nie gemacht, nur einmal einen Spot für Bethel, aber warum nicht?“ Und nicht einmal dabei will sie sich an ‚Verrückt nach Paris’ messen, „das wäre Unsinn, wir machen hier doch etwas komplett Neues!“ – Recht hat sie, der eigenen Weg ist das Ziel.
Alle bisherigen Anzeichen sind also mehr als positiv, die ersten Arbeiten mit den besonderen Hauptrollen, also Nele und Michael durchweg gelungen, alles wird gut.
Auf den Dreh auf Norderney freut sie sich besonders, da war sie schon mit ihrem letzten Kinofilm (Eine andere Liga), der auf dem Emder Filmfest den Bernhard Wicki Preis gewonnen hat und auch in diesem bezaubernden Norderneyer Kino gezeigt wurde.
„Der Finnische Tango ist eine ganz besondere Geschichte um Freundschaft und besondere Menschen, das hat mein Herz und dafür werde ich mich verzehren! – Der Türke neigt zu großen Worten, aber Du verstehst das schon,“ sagt sie.
Immer ein bisschen von sich einbringen, immer ein bisschen Dramatik und auch immer gleich die nötigen Distanz, die es möglich macht, sich auch auf die Schippe nehmen zu können und nicht nur zu ernst zu nehmen.
Und dann dauert es nur Sekunden und sie ist wieder in der Arbeit und konzentriert und bei den nächsten Schritten mit den Schauspielern.

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